Patientenverfügung: Klarheit für den Fall der Fälle

Die Gemüter kochen immer wieder hoch, wenn es um aktive Sterbehilfe geht. Laut einer Meinungsabfrage mit dem Pressekompass von Anfang Juli 2015 fordern immer mehr Menschen, dass die aktive Sterbehilfe legalisiert wird. Der Economist stimmt ein: „Fähigen Erwachsenen ist es auch erlaubt, andere spontane und unumkehrbare Entscheidungen zu treffen: eine Geschlechtsumwandlung oder eine Abtreibung. Menschen verdienen die gleiche Entscheidungsfreiheit über ihren Tod.“

Patientenverfügung kann helfen

Die Politik tut sich allerdings noch schwer mit diesen Forderungen; Anträge gibt es viele und eine Einigung bei diesem hoch sensiblen Thema steht eher übermorgen als morgen an. Bis ein Gesetzt zur aktiven Sterbehilfe verabschiedet wurde, können Sie einiges tun, um Ihre Selbstbestimmung im Ernstfall zu wahren. Neben dem gängigsten Format der Willenserklärung, der Patientenverfügung, gibt es noch die Organspende-, die Betreuungsverfügung und die Vorsorgevollmacht. Diese Willenserklärungen gehören auf jeden Fall ins Portfolio eines gut vorbereiteten Menschen – egal welchen Alters und welcher medizinischen Vorgeschichte. Denn nur so lässt sich sicher stellen, dass nichts gegen Ihren Willen geschieht, auch wenn Sie sich nicht mehr äußern können.

Vier Willenserklärungen für Ihre Selbstbestimmung

1. Organspende-Ausweis: Überraschend ist, dass rund drei Viertel der Menschen in Deutschland zur Organspende bereit wären, jedoch nur ein Viertel einen Organspende-Ausweis besitzt. Die Ausweise lassen sich einfach beim Arzt, den Krankenkassen und sogar bei vielen Apotheken holen. Schwerer ist die Entscheidung, ob und welche Organe man tatsächlich im Falle des eigenen Hirntods spenden möchte.

2. Patientenverfügung: Eine weitere wichtige Willenserklärung ist die Patientenverfügung. Hier können Sie formlos festhalten, was Sie zum Beispiel im Falle eines Unfalls nicht wollen. Lebensverlängernde Maßnahmen, Herz-Lungen-Wiederbelebung oder bewusstseinsdämpfende Schmerztherapien können Sie zum Beispiel ausschließen. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

3. Vorsorgevollmacht: Falls Sie durch Schlaganfall, Demenz, Hirnschäden oder ähnliches so weit eingeschränkt sind, dass Sie keine Willenserklärungen mehr abgeben können, wird ein gesetzlicher Betreuer via Betreuungsgericht bestimmt. Achtung: Das sind nicht automatisch Ehepartner und Verwandte! Um Ihren gewünschten Betreuer, dem Sie vollkommen vertrauen, frühzeitig zu bestimmen, sollten Sie eine Vorsorgevollmacht notariell aufsetzten lassen.

4. Betreuungsverfügung: Anders wie die Vorsorgevollmacht ist die Betreuungsverfügung keine reine Privatsache. Im Falle Ihrer Geschäftsunfähigkeit wird ein von Ihnen gewählter Betreuer eingesetzt. Der gesamte Vorgang wird vom Betreuungsgericht geprüft und umgesetzt. Im Vergleich zur Vorsorgevollmacht ist der rechtliche Betreuer jedoch dem Gericht über bestimmte Tätigkeiten, wie beispielsweise über finanzielle Angelegenheiten, Rechenschaft schuldig.

Passive Sterbehilfe ist möglich

Wenn Sie mit diesen vier Willenserklärungen alles für den Ernstfall in die Wege geleitet haben, können Sie zumindest auf eine passive Sterbehilfe bestehen. Hierfür ist die Patientenverfügung ausschlaggebend. Im Jahr 2010 hat nämlich der BGH in einem Grundsatzurteil (AZ. 2 Str 454/09) entschieden, dass die Willenserklärung des Patienten das Unterlassen weiterer lebenserhaltender Maßnahmen rechtfertigt.

 

 

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